August Thonet

August Thonet

 
Die Gebrüder Thonet - Pioniere der Möbelgeschichte

Das Unternehmen
Mit dem Wirken des Tischlermeisters Michael Thonet (1796-1871) begann die einzigartige Geschichte des Unternehmens Thonet. Seit 1819 steht die Familie Thonet mit ihrem Namen für die Entwicklung von Möbeln, die auf Schlichtheit, Reduktion der Form auf das Wesentliche, Materialehrlichkeit, Wertigkeit und Gestaltungskraft setzen. Am deutschen Firmensitz und Produktionsstandort Frankenberg/Eder führen heute Claus, Peter und Philipp Thonet in der 5. Generation die Firmengeschäfte. Auf der Grundlage eines bedeutenden historischen Erbes werden hier heute Einrichtungslösungen erarbeitet, die sich durch eine klare, zeitgemäße Identität auszeichnen.

Von Boppard nach Wien: Michael Thonets Pionierarbeit und sein Beitrag zur Design- und Kulturgeschichte
Am Werk des Tischlermeisters Michael Thonet lässt sich der Übergang von der handwerklichen zur industriellen Möbelfertigung ablesen. Nachdem er sich 1819 in Boppard mit seiner eigenen Werkstatt selbständig gemacht hatte, bediente sich Michael Thonet zunächst noch der traditionellen Techniken des Möbelbaus. Von 1830 an unternahm er erste Experimente mit neuartigen Holzbiegetechniken. Fürst Metternich wurde auf die Begabung Michael Thonets aufmerksam und holte den Möbelbauer 1842 nach Wien, wo dieser maßgeblich an der Ausstattung des Palais Lichtenstein und des Palais Schwarzenberg beteiligt war. Darüber hinaus richtete Michael Thonet mit seinem Stuhl No. 4 das bekannte Café Daum ein. Mit dem Stuhl Nr. 14 gelang ihm schließlich der Durchbruch: Bei diesem Produkt kam die neuartige Technologie des Biegens von Bugholz erstmals zum Einsatz, was die Voraussetzung für die Massenproduktion von Stühlen bot. Leicht, funktional, einfach zu zerlegen und zu transportieren: Der Stuhl Nr. 14 war als völlig neuer Produkttypus eine echte Innovation, die keinen historischen Vorgaben mehr folgte, sondern allein aus funktionalen Anforderungen entwickelt wurde.

Weltweiter Erfolg und zweiter Meilenstein: Die Stahlrohrmöbel-Kollektion
Bis zum Jahr 1930 wurden etwa 30 Millionen Exemplare des Modells No. 14 vertrieben - nicht gezählt die zahlreichen Plagiate, die nach Erlöschen des patentierten Holzbiegeverfahrens 1869 auf den Markt kamen. Die weltweite Verbreitung war nicht zuletzt auf den günstigen Preis der Möbel zurückzuführen, der es nicht nur einem Johannes Brahms, einem Pablo Picasso oder einer Marilyn Monroe erlaubte, den Sitzkomfort eines Thonet Möbels zu genießen. Zahlreiche Bilddokumente geben Aufschluss über die Verbreitung und die Beliebtheit der Thonet Möbel.

Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzende Expansion des Unternehmens - am Ende gab es sieben Produktionsstätten - erreichte mit dem Vertrieb von über 2 Millionen Thonet Möbeln jährlich im Jahr 1912 einen Höhepunkt. 1923 erfolgte die Fusion mit dem weltweit größten Möbelhersteller Mundus zur Thonet-Mundus-Gruppe. Diese Verbindung fand 1938 mit dem Rückkauf der Anteile durch die Familie Thonet ihr Ende. In den zwanziger Jahren wandte sich das deutsche Unternehmen Thonet der Produktion von Möbeln aus Stahlrohr zu, die zu der Zusammenarbeit mit Gestaltern aus dem Bauhaus-Umfeld wie Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Mart Stam führte. Mit der Produktion des berühmten Freischwingers von Mart Stam 1931, für den der holländische Architekt das künstlerische Urheberrecht zugesprochen bekam und das seitdem bei der Gebrüder Thonet GmbH in Frankenberg liegt, und der Herstellung weiterer berühmter Stahlrohrmöbel verband sich der Name Thonet erneut mit einigen Meilensteinen der Designgeschichte. Heute sind Thonet Möbel in den wichtigsten Sammlungen weltweit, darunter das Museum of Modern Art in New York, das Centre Pompidou oder das Vitra Design Museum, vertreten.

Das Thonet Werk in Frankenberg
An dem in der Firmengeschichte jüngsten Standort werden heute in Deutschland - neben aktuellen Produkten in bewährter Thonet Qualität - nach wie vor die Klassiker produziert, die man mit dem Namen des Unternehmens assoziiert. Nachdem im Zweiten Weltkrieg alle Werke in osteuropäischen Staaten durch Enteignung verloren gegangen waren und auch die Wiener Zentrale einschließlich des Thonet-Hauses am Stephanplatz zerstört worden war, machte sich der Urenkel des Firmengründers Dipl.-Ing. Georg Thonet in den Jahren 1945 bis 1953 an den Wiederaufbau des durch den Krieg ebenfalls beschädigten Werkes in Frankenberg. Heute leiten die Söhne Georg Thonets das Unternehmen: 1972 trat Claus M. Thonet in die Geschäftsführung ein, 1984 Peter A. Thonet und 1989 Philipp H. Thonet. Einige der wichtigsten Referenzobjekte der letzten Jahre, die mit Thonet Möbeln ausgestattet wurden, sind: die Fraktionsräume und Restaurants des Deutschen Bundestags in Berlin, das British Museum in London, die Deutsche Botschaft in Peking, die Börse Zürich, KPMG Zürich, Electronic Arts, Chertsey, University of London.

Die Marke Thonet
Die Gebrüder Thonet GmbH in Deutschland verfügt über die ältesten, aus dem Jahre 1922 eingetragenen Marken "Thonet", über die so genannte "Zigarren-Marke" (benannt nach dem historischen Firmenzeichen aus dem 19. Jahrhundert) sowie über die internationalen Rechte am Wortzeichen "Thonet". Dies gilt für alle europäischen Länder sowie für die bedeutenden Weltmärkte, in denen die Marke Thonet vertrieben wird. Thonet Klassiker aus Bugholz und Stahlrohr werden nach wie vor in Frankenberg produziert - neben aktuellen Entwürfen auf höchstem Niveau. Zahlreiche Kunsthistoriker, Schriftsteller und Journalisten haben über die Marke Thonet und das Unternehmen Thonet publiziert. Eine Auswahl der wichtigsten Publikationen:
Ole Bang, Thonet, Geschichte eines Stuhls, Stuttgart 1979
Karl Mang, Thonet Bughölzmöbel, Wien 1982
Alexander von Vegesack, Das Thonet Buch, München 1987
Werner Möller / Otakar Mácel, Ein Stuhl macht Geschichte, München 1992
Albrecht Bangert / Peter Ellenberg, Thonet Möbel. Ein Handbuch für Liebhaber und Sammler, München 1997
Andrea Gleininger, Der Kaffehausstuhl Nr. 14 von Michael Thonet, Frankfurt/Main 1998



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