Arne Jacobsen

Arne Jacobsen

 
Arne Jacobsen (1902 - 1971)
Ohne Zweifel ist Arne Jacobsen der Architekt und Designer, der für Fritz Hansen die größte Bedeutung hat.

Die erste Zusammenarbeit fand bereits im Jahre 1934 statt. Mit dem Entwurf der "Ameise" von 1952 fanden beide dann zu einer engen Kooperation und schrieben zugleich ihre Namen nachdrücklich in das Gesichtsbuch der internationalen Möbelentwicklung.

AUSBILDUNG
Arne Jacobsens beruflicher Weg war in den ersten Jahren ohne besondere Auffälligkeiten: Nach der Realschule besuchte er vier Jahre die Technikerschule (1920-24). In den Ferienzeiten durchlief er eine Maurerlehre und schuf so die Voraussetzung zur Aufnahme in die Architektenschule der Kunstakademie, die er in den folgenden drei Jahren absolvierte (1924-27). Im Jahr darauf erhielt er bereits eine Goldmedaille für ein eigenes Projekt: ein neues Nationalmuseum in Klampenborg (nördlich von Kopenhagen).

Eigentlich hatte Arne Jacobsen Kunstmaler werden wollen. Immerhin war er ein hervorragender Zeichner und Aquarellist. Und seine Kunstwerke fielen wegen ihrer Vielfalt und ihres Kontrastreichtums auf. 1929 nahm Arne Jacobsen Abschied vom Neoklassismus und bekannte sich seither zum neuen internationalen Stil und zum Funktionalismus. Das drückte sich unter anderem in futuristisch-modernen Entwürfen aus, mit denen er seinen Betrag zur Ausstellungs-Architektur leistete.

ERSTE BERUFLICHE ERFOLGE
Die 30er Jahre waren für Arne Jacobsen eine sehr erfolgreiche Zeit. Hier nur einige Bauten, die seinen Weg zu etablierten Architekten kennzeichnen: Bellevue Strandbad (1932), Wohnbauprojekt Bellavista (1934), HIK-Tennishalle (1936), Rathaus in Aarhus (1939-42), Rathaus in Søllerød (1940-42), Mehr-Etagen-, Reihen- und Einfamilien-Häuser in Gentofte und Umgebung (1932-38), das Stellings Haus in Kopenhagen (1937).

DIE FLUCHT
1943 flohen Arne Jacobsen und seine Frau Jonna, eine Stoffdruckerin, über den Øresund nach Schweden, wo beide von Kollegen herzlich aufgenommen wurden. Damals entstanden viele Naturskizzen, die 1944 zu einer Tapeten- und Stoffkollektion führten. Nach Kriegsende kehrten die Jacobsens nach Dänemark zurück.

Dort warteten viele Bauprojekte auf den Architekten. Sie alle waren durch einen allgemeinen, durch den Krieg verursachten Rohstoffmangel behindert. Manche Bauabwicklung mußte überdacht werden, viele traditionelle Wege mußten durch unkonventionelle Methoden ersetzt werden. Un so gelang es ihm, Ende der 40er Jahre eine ganze Reihe ungewöhnlicher, höchst charaktervoller Wohnbauvorhaben in der modernen Tradition abzuwickeln. Da Arne Jacobsen sich auch um die Einrichtung der Wohnungen kümmerte, schälte sich sein Universaltalent immer mehr heraus. Er umgab sich gerne mit attraktiven Alltagsgegenständen und entwarf auch schon bald höchst eigenständige Gebrauchsgegenstände, Möbel, Lampen und Textilien.

NEUE PRODUKTIONSMETHODEN
Arne Jacobsens Schaffen in diesem Rahmen wurde von seinem ausgeprägten Wunsch bestimmt, all diese Gegenstände einerseits industriell produzierbar zu machen, andererseits dabei aber auf die handwerkliche Qualität nicht verzichten zu müssen. Damit zwang er sich, neue industrielle Methoden zu entwickeln. Die "Ameise" (1952) ist ein klassisches Produkt solchen Denkens mit Sitz und Rückenlehne aus nur einem Stück formgepreßten, laminierten Holz. Das dreibeinige Urmodell des Stapelstuhles von 1952 hatte Jacobsen für die Kantine von Novo Nordisk (dänische Medi- zinalkonzern) gezeichnet. Er, der spätere vierbeinige Modell und auch der vierbeinige "Siebener" (1955), der anschließend entstand - sind seither in Rekord-Stückzahlen bei Fritz Hansen hergestellt worden. Die Stühle stehen heute in ungezählten Wohnungen, Büros, Museen und Behörden auf der ganzen Welt.

WEGWEISENDE BAUPROJEKTE Nach und nach war in Dänemark der Mangel an Baumaterial endgültig überwunden. Arne Jacobsen nutzte die daraus erwachsenden Möglichkeiten, sich als einer der international führenden Architekten zu etablieren. Zwei seiner vielen Aufgaben, die er Ende der 50er Jahre ausführte, illustrieren das besonders: der Bau des Rathauses von Rødovre (1955) und das SAS Hotel "Royal" (1959) in Kopenhagen. Beide stammen in allen Details und in der Einrichtung von Jacobsen. So entstanden auch ganz neue Möbel, zum Beispiel das "Ei" (1958) und der "Schwan" (ebenfalls 1958). Besondere Aufmerksamkeit fand zu dieser Zeit aber auch der Jacobsen-Entwurf der Munkegaards-Schule, der in Gentofte (nördlich von Kopenhagen) 1955 umgesetzt wurde.

ERFOLGE IM AUSLAND
Als sich der Leiter des St. Catherine's College in Oxford zu beginn der 60er Jahre für einen Architekten entscheiden mußte, der das neue Universitätgebäude planen und bestreuen sollte, wählte er Arne Jacobsen. Um die landschaftliche Umgebung mit in seine Überlegungen einfließen zu lassen, bezog der Däne in Oxford einen neuen Wohnsitz und erwies sich während der Entwicklung des Projektes als talentierter Garten- und Landschaftsarchitekt. Nach Abschluß seines ersten großen Auslandsprojekt wurde Arne Jacobsen für seine Leistung - übrigens auch für den dabei entstandenen Oxford-Stuhl (1964) - unter anderem mit der Ehrendoktorwürde der Oxford University ausgezeichnet.

Die größten und zugleich die meisten ausländischen Aufgaben aber erhielt Arne Jacobsen aus Deutschland; viele in Zusammenarbeit mit Otto Weitling. Unter anderem zeichnete er ein Verwaltungsgebäude für die Hamburger Elektricitäts-Werke (1962) und neue Stadtzentren für Castrop-Rauxel (1966) und Mainz (1968). Die Nationalbank (in Kopenhagen) (1961 entworfen) und auch die deutschen Projekte wurden erst nach dem Tod Arne Jacobsens (1971) von Otto Weitling und Hans Dissing ausgeführt.

JACOBSENS GEIST LEBT WEITER
Schon auf diese Weise prägte er auch die Zeit nach ihm. Aber auch viele führenden dänischen Architekten der 80er arbeiteten in seinem Geist - sie waren in die Meisterschule Arne Jacobsens gegangen, der als einer der letzten Souveräne der Gebrauchskunst gilt. Wie hoch seine Leistung auf diesem Gebiet war, illustriert allein die Cylinda-Line von Stelton. Dieser Entwurf aus dem Jahr 1967 hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Ein kaum erreichbares Qualitätsmerkmal, das in gleichem Maße für seine Möbel und etliche andere Gebrauchsgegenstände gilt.

Das Großartige seiner Architektur, seine ungewöhnliche Fähigkeit der Gartengestaltung und seine minimalistisches, einfaches Design zugleich haben Arne Jacobsen zu weltweiter Wertschätzung verholfen. Seine Geniestreiche beweisen von Jahr zu Jahr deutlicher ihre Qualität und begründen den wachsenden Respekt und die zunehmende Bewunderung auf der ganzen Welt für das Lebenswerk von Arne Jacobsen.

ARNE JACOBSEN-MÖBEL, DIE BEI FRITZ HANSEN HERGESTELLT WERDEN
Ameise und Serie 7, die Zunge, Oxford, Schwan und Ei, Serie 3300, Säule- und Shakertische, zirkulare, rechteckige und quadratische Tischserie.

LITERATURHINWEISE
"Arne Jacobsen" - Arkitekt & Designer - Dansk Design Center, 1994.
"Arkitekten Arne Jacobsen, 1902-71" - Ausstellung in der Architektenschule von Aarhus, 1990.
"Arne Jacobsen" von Joergen Kastholm - Andr.Fred. Hoest & Soen's Verlag, 1968.
"Dansk Møbel Kunst" - Im 20. Jahrhundert (Band 1 + 2) von Arne Karlsen - Christian Ejlers' Verlag, 1990 + 1991.
"Dansk Møbeldesign" ("Dänisches Möbeldesign") - Kunstmuseet Trapholt, 1993.
"Stolen" ("Der Stuhl") - Design im 20. Jahrhundert, von Birgit Jeppesen & Dorthe Spaabaek - OP-Verlag ApS, 1994.



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